Eine Pferdeweide ist weit mehr als nur eine grüne Fläche. Sie ist Bewegungsraum, Sozialkontaktpunkt und vor allem die wichtigste Futterquelle für unsere Pferde. Im Gegensatz zu einer Kuhweide muss die Grasnarbe einer Pferdeweide extremen Belastungen standhalten: Sie muss trittfest, scherfest und gleichzeitig schmackhaft sowie nährstoffreich sein.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie mit dem richtigen Weidemanagement im Frühjahr und Herbst die Basis für eine gesunde Saison legen.

1. Die Grundlagen: Schutz der Grasnarbe

Die beste Pflege nützt nichts, wenn die Grasnarbe mechanisch zerstört wird. Beachten Sie daher diese goldenen Regeln:

  • Kein Koppelgang auf nassen Weiden: Wenn der Boden aufgeweicht ist, zerstören Hufe die Grasnarbe und drücken Sauerstoff aus dem Boden. Das fördert die Verunkrautung.
  • Weideruhe einplanen: Nutzen Sie ein Portionsweide- oder Umtriebssystem. Gras braucht Zeit, um sich zu regenerieren und Reservestoffe in die Wurzeln einzulagern.
  • Die richtige Schnitthöhe: Falls Sie Heu gewinnen, schneiden Sie nicht tiefer als 6–7 cm. Ein zu tiefer Schnitt schwächt die Untergräser und lässt die Narbe lückig werden.

2. Nachsaat & Übersaat: Lücken schließen, bevor Unkraut kommt

Lücken in der Weide sind Einladungen für Ampfer, Disteln oder Giftpflanzen. Regelmäßige Nachsaaten gehören daher zum Standard-Programm.

  • Übersaat: Verbessert den Bestand und schließt kleine Lücken ohne Umbruch.
  • Zeitpunkt: Von März bis September (sofern genügend Feuchtigkeit vorhanden ist).
  • Vorgehen: Nach dem Ausbringen der Saat sollte die Fläche idealerweise gewalzt werden (quer zur Saatrichtung), um den Bodenschluss zu gewährleisten.
  • Ruhezeit: Gönnen Sie der Fläche nach der Saat mindestens 4–6 Wochen Ruhe, damit die jungen Gräser fest wurzeln können.

3. Richtig düngen: Nährstoffe zurückgeben

Eine ungedüngte Weide verhungert. Verarmte Böden führen zu „gestresstem“ Gras, das vermehrt Fructane (Zucker) einlagert – ein hohes Risiko für Hufrehe.

Warum düngen?

Dünger gibt dem Boden die Nährstoffe zurück, die durch Beweidung oder Heuschnitt entzogen wurden. Nur ein gesunder Boden liefert alle lebensnotwendigen Mineralien und Spurenelemente für Ihr Pferd.

Der richtige Zeitpunkt & Wartezeiten

Warten Sie mit der Düngung, bis die Bodentemperatur konstant bei ca. 10 °C liegt. Beachten Sie unbedingt die Wartezeiten, bevor die Pferde wieder auf die Fläche dürfen:

  • Mineralische Dünger (Kunstdünger): Ca. 4 Wochen (28 Tage) Wartezeit.
  • Organisch-mineralische Dünger / Bio-Dünger: Diese wirken langsamer (2–3 Monate Depotwirkung). Hier reicht oft eine Wartezeit von 4–7 Tagen nach dem Ausbringen (oder nach dem ersten kräftigen Regen).

4. Hygiene auf der Weide: Abäppeln statt Abschleppen

Ein häufiger Fehler: Das bloße Verteilen von Pferdeäpfeln mit der Wiesenschleppe.

Die Gefahr: Dadurch verteilen Sie Parasiteneier (Würmer) über die gesamte Fläche und fördern die Entstehung von „Geilstellen“, die von Pferden nicht mehr gefressen werden.

Die Lösung: Konsequentes Abäppeln ist die effektivste Maßnahme zur Weidehygiene und Parasitenkontrolle.

Der Ridcon-Jahresplaner für Ihre Weide

  • März: Sobald frostfrei: Abschleppen (Maulwurfshügel ebnen), Striegeln (Moos entfernen) und Düngen.
  • März bis Mai: Nach- oder Neuansaat bei ausreichender Bodenfeuchte.
  • April/Mai: Vorsichtiges Anweiden.
  • Sommer: Regelmäßiges Abäppeln, Kontrolle auf Giftpflanzen (Jakobskreuzkraut!), ggf. Nachmähen von Geilstellen.
  • Oktober/November: Nach dem Weideabtrieb: Letzte Pflege und ggf. Herbstdüngung zur Stärkung der Wurzeln.

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